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Digitaler Fraud bei Schweizer Banken: Identitätsprüfung über das Onboarding hinaus

Fraud-Prävention im Customer Lifecycle

Am 9. April 2026 veröffentlichte die FINMA ihre Aufsichtsmitteilung zu digitalen Betrugsrisiken bei Schweizer Banken. Sie zeigt Handlungsbedarf im Risikomanagement, bei der Erkennung neuer Betrugsmuster sowie im Umgang mit Online-Kontoeröffnungen und unautorisierten Kontozugriffen. Dieser Beitrag greift einen Aspekt daraus auf: wie verlässlich geprüfte Identitätsdaten über das Onboarding hinaus zur Fraud-Prävention beitragen können.

Portrait von Thorsten Hau, CEO und Gründer von fidentity
Thorsten Hau
12.8.2026

Sicheres Onboarding ist die Grundlage, aber digitaler Fraud kann später einsetzen

Die FINMA befragte Ende 2025 insgesamt 19 Schweizer Banken zu ihrem Umgang mit digitalen Betrugsrisiken. Die Aufsichtsmitteilung 02/2026 liefert keinen klaren Hinweis darauf, dass betrügerische Aktivitäten bei Online-Kontoeröffnungen häufiger auftreten als bei anderen Eröffnungskanälen. Auffällig ist jedoch die Zunahme von Meldungen an die Meldestelle für Geldwäscherei MROS im Zusammenhang mit online eröffneten Konten.

Dahinter stehen unterschiedliche Betrugsmuster. Teilweise wird bereits die Kontoeröffnung mit betrügerischer Absicht durchgeführt. In anderen Fällen werden Personen durch Täuschung dazu gebracht, selbst ein Konto zu eröffnen und den Zugang anschliessend an kriminelle Dritte weiterzugeben. Hinzu kommen Kontoübernahmen, bei denen Kriminelle beispielsweise durch Phishing Zugriff auf ein bestehendes Konto erhalten.

Gerade in diesen Fällen kann die Kontoeröffnung mit gültigen Identifikationsdokumenten und unter Einhaltung der geltenden Sorgfaltspflichten erfolgt sein. Die Identifikation hat ihren Zweck erfüllt. Der eigentliche Fraud beginnt jedoch erst danach.

Die FINMA weist deshalb darauf hin, dass die Risiken der digitalen Kontoeröffnung und jene unautorisierter Kontozugriffe nicht isoliert betrachtet werden sollten. Beide gehören in eine umfassende Strategie zur Prävention digitaler Fraud-Risiken.

Eine verlässliche Identifikation bleibt dafür die Grundlage. Bevor eine Bank eine Kundenbeziehung eröffnet, muss sie wissen, mit wem sie es zu tun hat – am Schalter ebenso wie im digitalen Kanal. Für die Video- und Online-Identifizierung konkretisiert das FINMA-Rundschreiben 2016/7, welche Anforderungen erfüllt sein müssen. Klare Vorgaben und unabhängig geprüfte Verfahren sorgen dafür, dass sich digitales Onboarding sicher, rechtskonform und nachvollziehbar gestalten lässt.

Dabei entsteht mehr als ein abgeschlossener Compliance-Schritt. Die geprüfte und dokumentierte Identität bildet eine verlässliche Datengrundlage. Sie belegt, welcher Person die Kundenbeziehung zugeordnet wurde, und kann auch für spätere Sicherheits- und Compliance-Prozesse relevant bleiben.

Fraud-Prävention im Customer Lifecycle

Ein regelkonformes Onboarding schafft eine verlässliche Identitätsgrundlage. Es verhindert jedoch nicht, dass Dritte später die Kontrolle über ein Konto erlangen. Authentifizierung, Fraud-Monitoring und Re-Identifikation erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich bei der Fraud-Prävention. An sensiblen Punkten im Customer Lifecycle kann eine erneute Identitätsprüfung zusätzliche Sicherheit schaffen.

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Gute Identitätsdaten behalten ihren Wert

Aus der FINMA-Mitteilung folgt keine regulatorische Pflicht, Identitätsdaten nach dem Onboarding erneut einzusetzen. Die beschriebenen Fälle zeigen aber, weshalb eine einmal verlässlich geprüfte Identität auch später wertvoll bleiben kann.

Bei bestimmten Vorgängen reicht die Information, dass sich jemand erfolgreich angemeldet hat, nicht immer aus. Denn es kann entscheidend sein, ob tatsächlich die ursprünglich identifizierte Person handelt.

Typische Situationen sind:

  • Wiederherstellung des Kontozugangs: Wer keinen Zugriff mehr auf das bisherige Gerät oder die Zugangsmittel hat, muss sich häufig über einen alternativen Prozess legitimieren.
  • Änderung zentraler Kundendaten: Wird etwa eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse geändert, über die später Sicherheitscodes oder Mitteilungen versendet werden.

Gerade solche Vorgänge können für Angreifer interessant sein, denn bei missbräuchlicher Nutzung lassen sich bestehende Schutzmechanismen umgehen oder aushebeln. Dann reicht es unter Umständen nicht, nur den bestehenden Zugang zu prüfen – entscheidend ist erneut die Identität der handelnden Person.

Re-Identifikation ist nicht Authentifizierung

Authentifizierung, Fraud-Monitoring und Re-Identifikation erfüllen unterschiedliche Aufgaben:

  • Die Authentifizierung prüft, ob jemand über die erforderlichen Zugangsmittel verfügt.
  • Das Fraud-Monitoring beurteilt Transaktionen und Verhaltensmuster auf Auffälligkeiten.
  • Eine Re-Identifikation beantwortet dagegen die Frage, ob die handelnde Person mit der bereits identifizierten Person übereinstimmt. Dazu wird die Person erneut geprüft und das Ergebnis der bestehenden Kundenidentität zugeordnet. Re-Identifikation ersetzt deshalb weder eine starke Authentifizierung noch ein wirksames Monitoring. Sie ergänzt diese Massnahmen dort, wo erneut Gewissheit über die Identität erforderlich ist.

Ein Baustein für die Prävention digitaler Fraud-Risiken

fidentity unterstützt Banken dabei, im digitalen Onboarding gute, nachvollziehbar geprüfte Identitätsdaten zu schaffen. Mit den flexibel einsetzbaren Modulen von IDENT lässt sich die Identität auch später erneut prüfen und einem bestehenden Kundenverhältnis zuordnen. Die Prozesse können risikobasiert in bestehende Abläufe integriert werden.

Damit löst Identifikation nicht sämtliche Herausforderungen der digitalen Fraud-Prävention. Sie liefert aber einen wichtigen Baustein: eine verlässliche Grundlage, auf die zurückgegriffen werden kann, wenn Zugangsmittel und Verhaltenssignale allein nicht genügend Sicherheit bieten.

Re-Identifikation kann auch bei niederschwelligen Risikosignalen als zusätzlicher «Step-up» dienen, also als gezielte zusätzliche Identitätsprüfung. Der Abgleich erfolgt automatisiert gegen bereits bekannte Biometriedaten und ist dadurch für die Kundschaft schnell erledigt und für die Bank kosteneffizient. Das ermöglicht einen niederschwelligen Einsatz.

«Gute Identitätsdaten sind nicht nur das Ergebnis eines sicheren Onboardings. Sie schaffen eine verlässliche Grundlage, auf die Banken zurückgreifen können, wenn später erneut Klarheit über die handelnde Person nötig ist.»

Thorsten Hau, CEO fidentity

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zur Prävention digitaler Fraud-Risiken. In den kommenden Artikeln vertiefen wir einzelne Betrugsmuster und zeigen, wie sich Identitätsprüfung gezielt in digitale Kundenprozesse einbinden lässt.

fidentity ist nach ETSI TS 119 461 zertifiziert und betreibt ein nach ISO/IEC 27001 zertifiziertes Informationssicherheits-Managementsystem. Unsere Identifikationslösungen entsprechen den Anforderungen des FINMA-Rundschreibens 2016/7 sowie den relevanten Vorgaben von ZertES und eIDAS.

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Portrait René Greiss, Head of Sales and Business Development
René Greiss
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